Von Teherans „Entscheidungslähmung“ bis hin zu Tel Avivs „Existenzkrise“
Bamardun (Mit dem Volk) – Amir Hossein Kazemi
In den letzten Tagen hat der diplomatische Verkehr in der Region unter Vermittlung der Türkei, Ägyptens und Omans seinen Höhepunkt erreicht; von Hakan Fidans Empfehlung an Washington, die Iran-Dossiers Schritt für Schritt zu lösen, bis hin zu Öl-Vorschlägen zur Kriegsverhinderung.
Doch ist Teheran überhaupt in der Lage, einen totalen Krieg zu verhindern?
Die Geschichte makroökonomischer und politischer Entwicklungen zeigt, dass die politische Struktur der Islamischen Republik kaum dazu neigt, Herausforderungen „proaktiv“ zu lösen. Probleme rücken erst dann in den Vordergrund, wenn sie das Stadium einer „Existenzkrise“ erreichen und das Überleben des Systems direkt bedrohen. Interessenkonflikte innerhalb der Machtebenen und der fehlende Wille zur frühzeitigen Problemlösung führen zu einer Art „Entscheidungslähmung“, die nur durch kritische Deadlines durchbrochen werden kann.
Ein Blick auf die großen Dossiers der letzten vier Jahrzehnte bestätigt diese These:
Der achtjährige Krieg: Die Annahme der UN-Resolution 598 erfolgte erst, als das Kräfteverhältnis und die wirtschaftliche Lage einen kritischen Tiefpunkt erreichten.
Das Atomdossier: Großabkommen wie der JCPOA waren das Ergebnis einer Wirtschaft am Rande des Zusammenbruchs unter lähmenden Sanktionen.
Gesellschaftliche Herausforderungen: Der Umgang mit Themen wie dem Hidschab wechselt erst dann von der kulturellen auf die sicherheitspolitische Ebene, wenn er in eine breit angelegte Konfrontation gemündet ist.
Kann die Islamische Republik die Krise mit den USA und Israel lösen?
Donald Trump hat vier grundlegende Forderungen auf den Tisch gelegt: dauerhafter Stopp der Anreicherung, Abzug der Uranvorräte, Begrenzung der Raketenkapazitäten und eine Änderung des regionalen Verhaltens (Beitritt zur Ordnung des Abraham-Abkommens).
Die eigentliche Herausforderung geht jedoch über Raketen und Anreicherung hinaus; es geht um die „ökologische und soziale Überlebensfähigkeit“ Israels.
Israel, das kein „sicherer Hafen“ mehr ist, sieht sich einer permanenten Bedrohung gegenüber, die selbst ohne einen totalen Krieg zu einem schrittweisen Zerfall führen kann:
Demografischer Kollaps: Die Abwanderung von über 137.000 Menschen (2023–2025) – davon 54 % Fachkräfte und Ärzte – sowie ein vervierfachter Anstieg bei Anträgen auf Annullierung des Wohnsitzes deuten auf einen irreversiblen „Brain Drain“ und einen Migrations-Tsunami hin.
Verlust der Abschreckung: Direkte Operationen der Islamischen Republik (wie „Wahre Verheißung“) und der Einsturz des Sicherheitsmythos nach dem 7. Oktober haben die Vorstellung von Israel als sicherstem Ort für Juden zerstört. Ein Anstieg der Immobiliennachfrage durch Israelis in Griechenland und Zypern um 70 % belegt diesen Trend.
Wirtschaftliche Zermürbung: Die Verwandlung von Blitzkriegen in einen „ewigen Krieg“, die Evakuierung von Siedlungen im Norden und Süden sowie die Flucht von Investoren konfrontieren Israel mit dem größten Verlust an Humankapital und Finanzen in seiner Geschichte.
Das Problem Israels mit dem Iran dreht sich nicht nur um die Reichweite von Raketen, sondern um die „Existenzphilosophie“ des Mullah-Regimes, das die Vernichtung Israels als Teil seiner Ideologie betrachtet.
Eine absolute Sicherheit Israels wird erst dann erreicht, wenn die Islamische Republik ihre kriegerische Natur und ihre Ideologie aufgibt – ein Thema, das Teheran nicht radikal lösen will. Ohne diesen Wandel werden die USA und Israel weder nachhaltige Sicherheit noch die angestrebte „Neue Ordnung“ in der Region erreichen.
Ein Regimewechsel scheint der einzige Ausweg aus dieser beidseitigen Sackgasse und das einzige Mittel zu sein, um die Existenzkrise Israels zu beenden.